Der Staat unterstützt den Kauf, den Bau und die Sanierung einer Immobilie mit verschiedenen Fördermitteln. Welche Bundes- und Landesförderung es gibt und für wen sich welches Programm lohnt, erfährst Du im folgenden Artikel.
Wichtig vorab: Förderkonditionen ändern sich laufend. Die KfW-Zinssätze in diesem Artikel lesen wir mehrmals täglich direkt aus dem KfW-Konditionenanzeiger (Stand 01.10.2026), alle übrigen Angaben sind Stand Juli 2026.
Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Privatpersonen?
Bei einem Kauf- oder Bauvorhaben musst Du nicht allein auf Eigenkapital und Bankdarlehen zurückgreifen. Gefördert werden unter anderem: der Kauf oder Bau selbstgenutzten Wohneigentums, der klimafreundliche Neubau, der Kauf sanierungsbedürftiger Bestandsimmobilien durch Familien, die Sanierung zum Effizienzhaus, der Heizungstausch, Photovoltaik sowie barrierefreie Umbauten.
Unterschieden wird zwischen zinsverbilligten Darlehen und Zuschüssen, die Du nicht zurückzahlen musst. Ob und in welcher Höhe die Mittel fließen, hängt auch davon ab, wie viel Geld in den Fördertöpfen steckt, ein Rechtsanspruch besteht nicht. Prüfe deshalb bei jedem Vorhaben frühzeitig, was möglich ist.
Welche KfW-Programme gibt es?
Der Bund stellt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Mittel für verschiedene Förderungen bereit. Die wichtigsten Programme für den Weg ins Eigenheim:
KfW 124, Wohneigentumsprogramm: Der Klassiker für jeden, der selbstgenutztes Wohneigentum kauft oder baut. Bis zu 100.000 Euro zinsgünstiges Darlehen, ohne Einkommensgrenze und ohne Energieauflagen. Der Zins liegt aktuell je nach Laufzeitvariante zwischen 4,55 % Sollzins (effektiv ab 4,65 %) und 4,69 % Sollzins (effektiv 4,79 %), also nahe am Marktniveau. Der Vorteil: Der Zins ist für alle gleich, unabhängig von Bonität und Eigenkapital. Gerade bei wenig Eigenkapital entlastet der 124er die Hauptfinanzierung. Zu beachten: Sondertilgungen sind nicht möglich, der Antrag muss vor Kaufvertrag oder Baubeginn gestellt sein.
KfW 300, Wohneigentum für Familien (Neubau): Der Nachfolger des Baukindergelds und aktuell das zinsgünstigste Neubauprogramm. Voraussetzungen: mindestens ein Kind unter 18 im Haushalt, kein bisheriges Wohneigentum und ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von maximal 90.000 Euro bei einem Kind, plus 10.000 Euro je weiterem Kind (Durchschnitt der Steuerbescheide 2023/2024 bei Antrag 2026). Gefördert wird der Neubau oder Ersterwerb eines klimafreundlichen Wohngebäudes (Effizienzhaus 40, keine Öl-, Gas- oder Biomasseheizung). Die Kredithöchstbeträge liegen je nach Kinderzahl und Förderstufe zwischen 170.000 und 270.000 Euro. Der Zins ist massiv verbilligt, aktuell ab 0,01 % Sollzins (effektiv ab 0,01 %) und damit mehrere Prozentpunkte unter Bankniveau. Wer die Voraussetzungen erfüllt, nimmt dieses Programm.
KfW 308, Jung kauft Alt (Bestandserwerb): Das Familienprogramm für gebrauchte Immobilien. Gleiche Einkommensgrenzen wie beim 300er. Gefördert wird der Kauf einer Immobilie der Energieeffizienzklasse F, G oder H, die innerhalb von 4,5 Jahren mindestens auf Effizienzhaus 85 EE saniert wird. Kredithöhe seit dem 3. August 2026 140.000 bis 180.000 Euro je nach Kinderzahl, und alternativ zum Effizienzhaus-Standard genügt ein Paket kombinierter Einzelmaßnahmen (Heizungstausch auf 65 % erneuerbare Energien, Fenster, Fassaden- und Dachdämmung). Der Zins ist ähnlich stark verbilligt wie beim 300er, aktuell ab 0,01 % Sollzins (effektiv ab 0,01 %).
KfW 297/298, Klimafreundlicher Neubau: Für alle, die neu bauen, aber die Familien-Voraussetzungen nicht erfüllen. Keine Einkommensgrenze, dafür dieselben hohen Energieanforderungen (Effizienzhaus 40). Bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit, mit QNG-Siegel bis zu 150.000 Euro. Der Zins liegt für Effizienzhaus 40 aktuell ab 1,94 % Sollzins (effektiv ab 1,96 %).
Land NRW, progres.nrw Klimaschutztechnik: Neben der NRW.BANK fördert das Land direkt: Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung im Bestandsgebäude mit bis zu 2.000 Euro je Wohneinheit (zentral) oder 200 Euro je Gerät und Raum (dezentral, max. 1.000 Euro je Wohneinheit), Erdwärmebohrungen mit Wärmepumpe ab drei Wohneinheiten mit 30 Euro je Bohrmeter bis 15.000 Euro. Der Antrag läuft vor Vorhabensbeginn über das Förderportal des Landes, Bewilligungsbehörde ist die Bezirksregierung Arnsberg.
Sanierung und Heizung: Für die Sanierung zum Effizienzhaus gibt es den Wohngebäude-Kredit 261 mit bis zu 150.000 Euro je Wohneinheit (aktuell ab 3,01 % Sollzins (effektiv ab 3,05 %)) plus Tilgungszuschuss, der seit dem 21.07.2026 nur noch 0 bis 15 % je Stufe beträgt (mit Boni bis 40 %). Den Heizungstausch fördert der Staat mit Zuschüssen von 30 bis maximal 70 %, bei geringem Einkommen 80 %, auf bis zu 28.000 Euro förderfähige Kosten für die erste Wohneinheit, abhängig von Einkommen und Geschwindigkeit. Für Photovoltaik gibt es den Kredit 270, aktuell ab 4,56 % Sollzins (effektiv ab 4,64 %) in der besten Preisklasse. Details dazu in unserem Artikel PV- und Heizungsanlage finanzieren.
Tipp: Viele Fördermittel lassen sich kombinieren, etwa KfW 300 plus KfW 124, um auch Grundstücks- und Nebenkosten zinsgünstig abzudecken. Nicht kombinierbar sind 300 und 297 für dieselbe Wohneinheit. Alle KfW-Kredite beantragst Du nicht bei der KfW selbst, sondern über die finanzierende Bank oder Deinen Vermittler, und immer bevor Du Verträge unterschreibst.
Deine Situation ist anders? Im kostenlosen Erstgespräch rechnen wir sie konkret durch.
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Zusätzlich zum Bund fördert das Land Nordrhein-Westfalen über die NRW.BANK. Die öffentliche Wohnraumförderung bietet zinsverbilligte Darlehen für Kauf, Bau und Modernisierung selbstgenutzter Immobilien, abhängig von Einkommen und Haushaltsgröße. Zur Einordnung: Eine Familie mit drei Kindern kann bis zu einem gemeinsamen Bruttoeinkommen von rund 97.000 Euro förderberechtigt sein. Die Grenzen liegen also höher, als viele vermuten.
Über die Hausbank vergibt die NRW.BANK außerdem eigene Förderkredite: NRW.BANK.Wohneigentum für Bau, Kauf und Anschlussfinanzierung mit Einkommensgrenze (aktuell ab 4,41 % Sollzins (effektiv ab 4,50 %)), NRW.BANK.Nachhaltig Wohnen für Effizienzhaus und Sanierung bis 150.000 € (ab 3,61 % Sollzins (effektiv ab 3,67 %)) und NRW.BANK.Gebäudesanierung für Modernisierungen ohne Einkommensgrenze (ab 4,41 % Sollzins (effektiv ab 4,50 %)).
Zwei NRW-Besonderheiten solltest Du kennen: Bei einer kompletten Dachsanierung gilt seit 2026 die Solarpflicht, eine Photovoltaikanlage ist dann vorgeschrieben. Und die Grunderwerbsteuer beträgt in NRW 6,5 %, einer der höchsten Sätze bundesweit, umso wertvoller ist jeder Förderbaustein, der Deine Finanzierung entlastet.
Einen Überblick über alle Programme liefert die Förderdatenbank des Bundes (foerderdatenbank.de); für NRW lohnt der Blick auf die NRW.BANK-Programmseiten.
Fazit: Förderprogramme in die Finanzierungsplanung einbeziehen
Beziehe mögliche Förderungen von Anfang an in Deine Finanzierungsplanung ein, nachträglich geht fast nichts. Die goldene Regel: Antrag immer vor Kaufvertrag, Baubeginn oder Auftragsvergabe. Und rechne genau: Nicht jedes Förderdarlehen schlägt jedes Bankangebot, aber die Familienprogramme 300 und 308 sind aktuell fast immer ein klarer Gewinn.
Unsere Einordnung aus der Beratungspraxis: Der teuerste Förderfehler ist der verpasste Antragszeitpunkt, ein unterschriebener Kaufvertrag beendet fast jede Fördermöglichkeit. Der zweitteuerste: Familien, die nicht wissen, dass ihr zu versteuerndes Einkommen deutlich unter dem Brutto liegt und sie die 300er/308er-Grenzen doch einhalten. Wir prüfen in jedem Konzept automatisch alle Fördertöpfe, Bund und NRW. Fördercheck im Erstgespräch.